Hiroshima / Nagasaki Gedenken 2005


In unserem zur schwarz-blau-organge verkommenen Krähwinkelrepublik werden die Schreie der täglich bei kriegerischen Auseinandersetzungen in vielen Ländern getöteten Menschen nicht mehr gehört, werden die Qualen der an vermeidbaren Krankheiten oder der an Hunger Sterbenden nicht mehr gespürt, werden die Ängste und Probleme von Menschen, die vor Tod und Hunger zu uns flüchten, nicht mehr zur Kenntnis genommen. Die Schraube der Ignoranz gegenüber Brutalität und offener oder struktureller Gewalt dreht sich hierzulande und weltweit immer schneller. Imperialistisches Hegemoniestreben, neokolonialistische Ausbeutung, Profitgier der Waffenproduzenten und -händler, Fremdenfeindlichkeit und Rassenhass sind zur Normalität geworden. Die Staatsaugaben für Militär und Rüstung steigen auch in armen Ländern. Das US-Budget für "Verteidigung" übersteigt alles bisher Dagewesene und die EU, Russland, Japan, China und Indien halten kräftig mit.

Widerstand dagegen regt sich, wenn überhaupt, nur punktuell und kurzfristig.

Das 21.Jahrhundert hat mit Kriegen und Terror begonnen und wird, sollten die Menschen es zulassen, mit noch schrecklicheren Kriegen und Terror enden. Die Perspektiven stimmen pessimistisch. Die Lehren aus den Kriegen des 20.Jahrhunderts sind verdrängt, die Toten von Hiroshima und Nagasaki längst begraben und vergessen. Gewalt erfährt mehr und mehr öffentliche Legitimität und ständig werden Ängste geschürt und neue Feindbilder erfunden.

Angesichts dieser Megatrends verwundert es nicht, dass die einst mächtige Friedensbewegung außer Mode gekommen ist und große Teile ihrer Basis verloren hat. Umso wichtiger ist es heute, der Gewalt, dem Krieg und dem Terror - ob staatlich oder individuell - erneut entgegen zu treten, die Waffenproduktion, insbesondere die Produktion atomarer, chemischer und biologischer Waffen zu stoppen, friedlichen Problemlösungen zum Durchbruch zu verhelfen und Friedenserziehung obligatorisch zu machen. Noch wichtiger ist es, die Hauptursachen von Gewalt zu bekämpfen: - die kapitalistische Eigentumsordnung, die einer kleinen Minderheit überbordenden Reichtum zuschanzt, der von der arbeitenden Mehrheit geschaffen wird, – die von den Nutznießern dieser Eigentumsordnung mit Hilfe (über)staatlicher politischer Apparate immer rücksichtsloser durchgesetzten Marktbeziehungen, die als unsichtbare, in den gesellschaftlichen Strukturen wirkende Gewalt Massenarmut verbreiten, und eine medial kultivierte Unwissenheit über diese Ursachen, die Hoffnungslosigkeit begünstigt und zu einem politischen Massenverhalten führt, das auf eine Selbstentmündigung der Benachteiligten hinausläuft.

Die Militäraktionen der kapitalistischen Industrienationen, die unter dem Vorwand des "Schutzes der Menschenrechte" und der "Durchsetzung von Demokratie" vom Zaun gebrochen wurden und werden, dien(t)en in Wirklichkeit der weltweiten Verbreitung eines Wirtschaftsmodells, das auf die Zerstörung sozialer Standards, Zurückdrängung der Gewerkschaftsbewegung und Aushöhlung der Demokratie im eigenen Bereich sowie auf Landraub, Hungerlöhne, Frauenunterdrückung und Kinderarbeit in den von ihnen "beglückten" Ländern abzielt. So hilft offene Waffengewalt die versteckte, strukturelle Gewalt durchzusetzen, die in der Börsenspekulation und den Vorstandsetagen in "salonfähiger" Form ihr weiteres Unwesen treibt.

Kämpfen wir für eine gerechte, soziale, friedliche Welt, für die Achtung der Menschenwürde! Die Alternativen sind klar: Barbarei oder Sozialismus.

Es lebe die neue Friedensbewegung!

August 2005

Für die isp: Alfred Kohlbacher, Karin Rietenauer, Theo Maier, Helga Maier, Franz Winterer, Ursula Knittler-Lux, Peter Ulrich Lehner, Gerti Worel, Rudi Schmid, Gerda Neudecker, Klaus Kucharz, Alfred Heinrich, Jürgen Hirsch