Entwurf eines Thesenpapiers für die Themenkonferenz
Medienmacht und Demokratie
Durch neue Technologien und durch Brechung des Bildungsmonopols einer Minderheit durch den für die Wirtschaftsentwicklung erforderlichen Zugang der Gesamtbevölkerung zu schulischen Grundausbildung ist in den modernen Industriestaaten eine neue Situation entstanden: Praktisch die gesamte Bevölkerung ist durch die Medien erreichbar. Der Umstand, daß heute ein Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung gemacht wird, zeigt, daß Inhaber/innen von Medien sich der Möglichkeit, durch Manipulation die Meinungen zu beeinflussen, bewußt sind und häufig auch davon Gebrauch machen. Da sich vor allem der Printmedienbereich überwiegend in den Händen wirtschaftlich potenter Gruppen befindet, wird er in demokratischen Staaten in der Regel zu einem Korrektiv zu Ungunsten der wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungsmehrheit.
Über die Werbung, von deren Ertrag die Existenz der meisten Medien abhängig sind, besteht für die "Wirtschaft" eine weitere Möglichkeit der Einflußnahme, was zum Beispiel zur Verdrängung von Gesinnungsorganen durch Blätter geführt hat, die als "unabhängig" verkauft werden, obwohl eindeutig gesellschaftspolitische und ökonomische Interessen dahinterstehen. Daß sie häufig nicht wirklich den Interessen der Bevölkerung dienen, zeigt die geringe Präsenz der Arbeitswelt in den Medien, obwohl diese einen beträchtlichen Teil unseres bewußten Lebens dominiert. Ebenso wird über wirtschaftliche Zusammenhänge, zum Beispiel über das Auseinanderdriften von Profiten und Löhnen, bewußt kaum informiert.
Die enorme Bedeutung des Medienbereichs für unsere Gesellschaft wird auch von der "Initiative für eine sozialistische Politik der SPÖ" nicht ignoriert, zumal wir heute in Österreich einen Zustand erreicht haben, in der ein einzelner Medieninhaber der Regierung in zahlreichen Fällen seinen Willen aufzwingt, zum Beispiel bei Ausnahmeregelungen für KolporteurInnen und in der AusländerInnenpolitik. Ohne sein massives Eingreifen wären rechtspopulistische Ansichten und eine Verharmlosung des Faschismus nie in so hohem Maße gesellschaftsfähig geworden.
Umstände, die die Pressefreiheit in überwiegendem Maße nur zur Freiheit der EigentümerInnen machen, lediglich gemildert werden können, ebenso wie das Faktum, daß die große Mehrheit der Bevölkerung ihre Meinung bestenfalls in LeserInnenbriefen ausdrücken kann, deren Abdruck vom good will abhängig ist, sonst aber eigentlich "stimmlos" ist und vom Meinungsbildungsprozeß ausgeschlossen bleibt. Wir bekennen uns zum Grundsatz der Meinungsvielfalt. Von den Bereichen Hörfunk/Fernsehen, Presse, Internet und Film/Bühne wollen wir letzteren außer Acht lassen, zumal niemand das Recht haben darf, zu entscheiden, was Kunst ist, oder gar, Zensur auszuüben. Wir bekennen uns zur Meinungsvielfalt und zur Demokratisierung der Meinungsbildung und schlagen daher vor:
Es ist das Ziel der "Initiative", ihren Beitrag zu leisten, damit die demokratiepolitisch so wichtige Mediendiskussion weitergeführt wird.
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