Transnationale Konzerne gegen Gewerkschaften
Wohin führt uns die Standortlogik?
Mit der Entwicklung des Kapitalismus geht auch die Herausbildung einer die ganze Welt umfassenden Wirtschaftsweise vor sich. Die "Globalisierung" ist daher kein Kind des 20. Jahrhunderts. Seit der Krise der 70er Jahre verdrängt das Finanzkapital, aufgrund sinkender Profitraten im produktiven Bereich, das Industriekapital aus seiner führenden Rolle in der Weltwirtschaft. Die Renditen der Sachinvestitionen stehen in Konkurrenz zu den Gewinnen aus dem Finanzbereich. KapitalanlegerInnen sind nur dann zu Investitionen in der Realwirtschaft bereit, wenn sie zumindest den gleichen Ertrag bringen wie Finanzspekulationen.
Begleitentwicklungen sind die Beseitigung der formaldemokratisch legitimierten politischen Regulierung, massenhafter Abbau von Beschäftigten durch rigide Rationalisierung und Produktionsverlagerungen in sogenannte Niedriglohnländer sowie eine weltweite Spekulation in Vermögenstiteln. Die "Globalisierung" ist Ausdruck der Strategie des Kapitals, entgültig dem regulierten Rahmen des Nationalstaates zu entkommen und sich neue Freiheiten zu erschließen. Sie sollen in einem eigenen multilateralen Investitionsabkommen (MAI) abgesichert werden. Die "Globalisierung" ist Ausdruck des Bemühens des Kapitals, seine von ihm selbst verursachten Schwierigkeiten auf den "Rest" der Gesellschaft abzuwälzen. Die diesbezüglichen innerbetrieblichen Strategien bekommen nun auch Beschäftigte sowie ihre BetriebsrätInnen und Gewerkschaften in den reichen Industrieländern zu spüren.
In den letzten Jahren wurden in den Betrieben neue Managmentstrategien durchgesetzt. Sie beinhalten Gruppenarbeit, kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP), neue Entlohnungssysteme, ein neues Vorschlagswesen, die sogenannte Selbstprüfung und Eigenverantwortlichkeit usw. und werden häufig unter dem Schlagwort "Lean Production" zusammengefaßt. Mit ihrer Realisierung werden die Beschäftigungsverhältnisse aufgesplittet: Die Ausgliederung von Betriebsstellen, Verselbständigung von Abteilungen, Fremdvergabe über Werkverträge und Beschäftigung unter Leih- und Zeitarbeitsbedingungen werden zur Regel. Durch diese Rationalisierung und Intensivierung steigt der Streß am Arbeitsplatz einerseits, und die Arbeitslosigkeit andererseits. Die Grenzen zwischen gesicherten und prekären Arbeitsverhältnissen verschwimmen. Diese Veränderungen haben massive Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, auf die Tätigkeit der betrieblichen Interessenvertretung und auf die Rolle der Gewerkschaften.
Innerbetrieblicher Kern der Modernisierungsstrategie ist die Ausdehnung der Konkurrenz- und der Marktbeziehungen in den betrieblichen Alltag. Jede Abteilung muß Gewinne erwirtschaften und die neuen "Teams" werden über Kunden-LieferantInnen-Beziehungen zu innerbetrieblichen Subunternehmen. Jede/r einzelne Beschäftigte wird "Scheinselbständige/r", der seine Arbeit nach den gleichen Kriterien wie der Kapitalist ausführen und bewerten soll. Der Arbeitsprozeß soll so von noch vorhandenen Freiräumen an individuellen, nicht an der Produktivität ausgerichteten Bedürfnissen des einzelnen und ebenfalls von noch vorhandenen solidarischen Beziehungen zwischen den Beschäftigten "entschlackt" werden. An ihre Stelle tritt allgegenwärtige Konkurrenz.
Auf überbetrieblicher Ebene entspricht dieser Konkurrenz die Logik der Standortsicherung. Der Kern der "Standortlogik" besteht in der tendenziellen Auflösung der bisher noch weitgehend abgesicherten Stammbelegschaften. Mit der dauernden Drohung von Fremdvergabe, Abteilungs- un Betriebsschließungen werden die jeweiligen Belegschaften und ihre Interessenvertretungen in Konkurrenz gegeneinander getrieben. Die Arbeitsprozesse werden so zersplittert, daß sich die unterschiedlichsten Beschäftigungsverhältnisse bilden und innerhalb, von und zwischen den Betrieben, Stammbelegschaften gegen Werkvertrags- und LeiharbeitnehmerInnen, Noch-Beschäftigte gegen prekär Beschäftigte und sie alle gegen Erwerbslose ausgespielt werden.
Schließlich wird auf nationaler Ebene der "Standort Österreich" propagiert. Mit der relativen Öffnung bisher staatlich abgeschotteter Arbeitsmärkte entsteht eine neue Stufe länderübergreifender Konkurrenz. Staatlicherseits wird versucht, neben dem Abbau von Handels- und Investitionshemmnissen Kapital im Land zu halten, indem man seine Verwertungsbedingungen verbessert: Soziale Sicherungen sollen als lästige "Lohnnebenkosten" abgebaut werden, gesetzliche Schutzregeln für das "Normalarbeitsverhältnis" und die "Normalarbeitszeit" allmählich verschwinden.
Die Unternehmen betreiben die Auslagerung von Produktionsstätten und die Vergabe von Komponenten an weltweite Zulieferer. Gleichzeitig bieten die bestehenden nationalen Unterschiede die Möglichkeit, die Beschäftigten verschiedener Länder gegeneinander auszuspielen und die sozialen Standards weltweit zu senken. Quer durch Betriebe, Branchen und Länder droht allen die Ausgrenzung, die nicht vollständig mithalten können oder die nicht der jeweils "priviligierten" Gruppe angehören. Viele Aspekte der hier beschriebenen Entwicklung sind schon länger vorhanden. Sie bekommen aber vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Konkurrenz und der weltweit uneingeschränkten Realität des Kapitalismus qualitativ neue Züge. Sie bilden ein komplexes Geflecht scheinbar alternativloser gesellschaftlicher Zustände und entsprechender individuell verinnerlichter Werte.
Um so bedeutender wird die zukünftige Ausrichtung der Politik der SPÖ und der gewerkschaftlichen Politik. In der SPÖ und den Gewerkschaften hat eine weitestgehende Anpassung an die beschriebene Entwicklung stattgefunden. Wir erleben eine Vertrieblichung gewerkschaftlicher Politik. Die Öffnung der Kollektivverträge, die bisher - zumindest von ihrer Zielsetzung her - die Standardisierung von Löhnen, Sozialleistungen, Arbeitsbedingungenn und Arbeitszeit angestrebt hatten, hat gravierende Folgen für die Verschärfung der Konkurrenz zwischen den Lohnabhängigen. Gleiches gilt für die gewerkschaftliche Unterstützung von "Schlanker Produktion" und "Flexibilisierung" der Arbeitsbedingungen. Statt Solidarität und gesellschaftliche Alternativen zu organisieren, orientieren sich die Gewerkschaften auf die Verteidigung des Wirtschaftsstandortes Österreich, unterstützen die Modernisierungskonzepte und streben nach Akzeptanz als betriebswirtschaftlich kompetenter "Co-Manager". daraus ergibt sich für uns die Notwendigkeit, die Politik der Gewerkschaften kritisch zu diskutieren. Für ihre Position sehen wir hauptsächlich zwei Ursachen:
Dafür erachten wir die Verwirklichung folgender Forderungen als unverzichtbar:
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